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Eine Tour mit Hindernissen
- aber glücklichem Ausgang
Am Sonntag, den 03. August
2008 brechen die Mitglieder der Hochtourengruppe Heinz,
Jürgen, Manfred und Rüdiger von Kassel nach Kals am
Großglockner auf. Wir haben uns vorgenommen, den mit 3798
m Höhe höchsten Berg Österreichs, den Großglockner, über
den steilen und ausgesetzten Stüdlgrat zu besteigen.
Nach neun Stunden Autofahrt
erreichen wir den Parkplatz direkt am Lucknerhaus (1918 m) und steigen
von hier aus in zweieinhalb, schweißtreibenden
Stunden über die Lucknerhütte (2241 m) zur bestens
geführten Stüdlhütte (2802 m) auf.

Parkplatz am Lucknerhaus
(1918 m)
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oder das Bild selbst,
lassen sich die mit
gekennzeichneten
Bilder vergrößern |

Blick zurück zum
Parkplatz `Lucknerhaus`

Lucknerhütte
(2241 m)

... eine kurze Rast an
der Lucknerhütte
v.l. Heinz, Manfred, Rüdiger
und Jürgen

... noch ca. 1 Stunde
bis zur
Stüdlhütte

Die
Stüdlhütte (2802 m)
ist erreicht
Nach einem exzellenten
`Drei Gänge Menü` auf der Stüdlhütte trinken wir noch zwei Radler und legen
uns Schlafen.
Nach dem Frühstück wollen
wir Vier uns für die geplante Haupttour akklimatisieren
und beschließen, den Einstieg in den Stüdlgrat zu erkunden
und von dort weiter zum Romariswandsattel (3426 m)
aufzusteigen. Über die steile, felsige Fanatscharte
steigen wir hinauf zur sog. Schere am Teischnitzgletscher
(3037 m) und seilen uns
dort wegen der Gletscherspalten an.

Aufstieg ab der
Fanatscharte zur Schere, - mit Blick zurück zur
Stüdlhütte
und ihrem Hausberg dem Fanatkogl (2905 m)

... der Aufstieg zur Schere am
Teischnitzkees

... wir sind an der
sog. Schere (3037 m) angekommen

... die ersten Meter
auf dem Teischnitzkees...
... im Hintergrund von links die Glocknerwand, die
Glocknerscharte, das Teufelshorn und
der Stüdlgrat mit dem Großglockner; rechts vorn der
Luisengrat
Vergrößerung mit Erklärung
Über den Teischnitzkees, in
Österreich werden Gletscher als Kees bezeichnet, steigen
wir linkseitig des Luisengrates, vorbei an einer riesigen
Wandkluft, hinauf. Unser Höhenmesser zeigt bereits 3100 m
Höhe an. Bis zu Einstieg in den Stüdlgrat sind nur noch
164 Höhenmeter zu überwinden; - also nur noch wenige
Minuten und wir sind da.

Auf dem
Teischnitzgletscher - Heinz, Manfred und ganz hinten
Jürgen
Aber es soll ganz anders
kommen -
das Schicksal schlägt um 09.28 Uhr
unbarmherzig zu!
Ohne Vorwarnung oder für
uns erkennbare Anzeichen fällt unsere Bergkamerad Manfred,der als
Vorletzter in der Seilschaft geht, zur Seite und
bleibt regungslos auf dem Eis liegen.
Der erste Gedanke, dass
Manfred lediglich gestolpert ist, soll ein `frommer
Wunsch`
bleiben. Manfred
atmet nicht mehr
und sein Herz hat aufgehört zu schlagen!
Ohne zu zögern wird im Team mit
Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen; -
15x Herzdruckmassage,
1x bei überstrecktem Kopf durch die Nase beatmen und immer
so weiter.
Zeitgleich wird mittels GPS-Gerät der genaue Unglücksort eingemessen. Wir befinden uns genau an der Koordinate 33T
0324346 / UTM 521540 auf 3188 m Höhe über Null.
Mit dem
Handy kann nach einigen fehlgeschlagenen
Verbindungsversuchen über
Notruf 112 die
Rettungsleitstelle Tirol erreicht werden. Der medizinische
Notfall wird
gemeldet, die Unglücksstellen-Koordinaten der
Rettungsleitstelle übermittelt.
Der Einsatz
des
Rettungshubschraubers wird bestätigt. Einige endlos
erscheinende Minuten sind
bereits vergangen, - kein
Lebenszeichen!
Die Zeit scheint uns wegzulaufen, - die
Hoffnung auf ein gutes Ende schwindet.
Urplötzlich zeigt die
Herzdruckmassage Wirkung und Manfred beginnt wieder zu
atmen. Sein Zustand stabilisiert sich.
Der Leitstelle
Tirol wird mitgeteilt, dass der Patient wieder bei
Bewusstsein ist. Wenige Minuten später
fliegt der
Rettungshubschrauber über den Romariswandsattel zielgenau
die Unglücksstelle an. Wegen
der Steilheit des Gletschers
kann er aber nicht landen, dreht ab und muss zur Stüdlhütte hinunter fliegen.
Dort nimmt er Notarzt und
Rettungssanitäter an das Rettungsdrahtseil, welches
manuell unter dem Hubschrauber befestigt wird und fliegt
erneut die Unglücksstelle an.

Der Rettungshubschrauber
"Alpin Heli 6" aus Zell am See über
der Unglücksstelle
Der Pilot kann das
Rettungsteam sicher auf dem Gletscher absetzen. Manfred,
dem es wieder etwas besser geht, wird vom Notarzt kurz in
Augenschein genommen und zusammen mit dem Rettungsteam
an
das Rettungsdrahtseil eingehakt. Mit den am Seil Hängenden
fliegt er talwärts in Richtung Stüdlhütte davon.

Der Abflug
Nach unserer Rückkehr in
der Stüdlhütte erfahren wir vom Hüttenwirt, dass Manfred
mit Verdacht auf Herzinfarkt in das Klinikum Zell am See
geflogen und dort stationär aufgenommen wurde.
Unser Dank gilt
an dieser Stelle der Hubschrauberbesatzung sowie den
Mitarbeitern/innen der Rettungsleitstelle Tirol für die
professionell durchgeführte Rettung, wobei wir das
Klinikpersonal Zell am See, für die hervorragende Betreuung
unseres Bergfreundes, unbedingt mit einbeziehen möchten.
Bereits am Abend konnten
wir mit Manfred telefonisch Kontakt aufnehmen und mit
Erleichterung aufnehmen, dass eine Besserung seines
Gesundheitszustandes eingetreten ist.

... am Abend steigen wir noch wenigen Meter auf den
Hausberg der Stüdlhüte,
den Fanatkogl (2905 m)

Der Stüdlgrat
05.08.2008
INFORMATIONSTAFEL ZUM STÜDLGRAT
Am Dienstagmorgen um 06.00
Uhr steigen Jürgen, Heinz und Rüdiger auf dem bereits
bekannten Weg zum Stüdlgrat auf. Mit dem Wissen, dass es
Manfred besser geht, wollen wir doch noch auf den
Großglockner (3798 m).
Der Wetterdienst hat eine
einigermaßen stabile Wetterlage vorausgesagt und wir
steigen um 07.30 Uhr
in den Stüdlgrat ein. Nach und nach
verdichten sich die Wolken, - es zieht sich immer mehr zu.
Zunehmender Wind, Kälte und einsetzender Regen lassen den
Aufstieg zur echten Herausforderung werden.

Im unteren Teil des Stüdlgrates
(oberhalb des Einstieges)

Jürgen und Heinz im
steilen Stüdlgrat
Ausgesetzte Block- und
Plattenkletterei, teilweise bis zum IV+
Schwierigkeitsgrat, fordert Kraft und Ausdauer.
Schwierigste Stellen sind zwar mittels Zugseilen und
Eisenstiften `entschärft` worden, - aber `Leicht`
ist etwas anderes. Ab und zu aufreißende Wolken lassen
Blicke in die Tiefen rechts und links des Grates zu.

Jürgen im Vorstieg

Der sog.
"Frühstücksplatz" im Stüdlgrat (3550 m) -
wer von der Stüdlhütte bis hier länger als 3 Stunden
Gehzeit benötigt,
dem wird dringend geraten, hier umzukehren !!!
Die Hauptschwierigkeiten kommen erst noch ....

... ich kurz
unterhalb vom "Frühstücksplatz"

... ab dem
"Frühstücksplatz" beginnen die Schwierigkeiten

... ausgesetzte
Passagen, die keinen Fehltritt erlauben, gilt es zu
meistern

... eine der
schwierigen und durch Nässe äußerst glatten Platten, an
denen
es rechts und links in die Tiefe geht (... gemischte
Gefühle beim Überklettern!)

... über letzte
Platten, der Gipfel ist bald erreicht
Gegen 13. 30 Uhr stehen wir
bei null Sicht und `Saukälte` am Gipfelkreuz.

... am Gipfelkreuz
des Großglockner
Nach einer kurzen,
ungemütlichen Rast geht es an den beschwerlichen Abstieg
hinunter zur Adlersruhe. Der Abstieg , natürlich wieder in
dichtem Nebel, fordert nochmals volle Konzentration und
bedingt durch den nassen Fels, durchgehende Sicherung.

... ein
Aufreißen der Wolken lässt einen kurzen Blick auf das
Glocknerhaus ,
die Hochalpenstraße und die Pasterze zu

...
kurz vor der Adlersruhe (Erzherzog-Johann-Hütte)
Vom Hauptgipfel (3798 m)
geht es durch die ausgesetzte Glocknerscharte hinüber zum
Kleinglockner (3770 m). Auf dem steil abfallenden Eisleitl
und weiter über das Glochnerleitl klettern wir bis zum
oberen Teil des Hofmanngletscher ab. Wir legen unsere
Steigeisen an. Ab hier gilt es, die bis zu 45° steile
Gletscherflanke hinunter zur Adlersruhe, mit dem
Erzherzog-Johann-Haus (3372 m), abzusteigen. Dort treffen
wir, bedingt durch die widrigen Witterungsverhältnisse,
erst gegen 18.30 Uhr ein.
Da wir bis zur Stüdlhütte
noch gut zwei Stunden absteigen müssen und wir auf eine
`Nachtwanderung` keinen besonderen Wert legen, klettern
wir ohne Pause über den Klettersteig 712A auf den
Ködnitzgletscher ab und überqueren diesen angeseilt
hinunter bis zum südlichen Abbruch.

... Blick von der Adlersruhe hinunter auf den
Ködnitzgletscher und weiter unten
auf Lucknerhütte und Lucknerhaus

... von er
Adlersruhe führt ein Klettersteig hinunter auf den
Ködnitzgletscher

... der
Ködnitzgletscher wurde talwärts überquert.
Blick vom Salzkopf zurück zum Stüdlgrat und zur rechts
liegenden Adlersruhe
Über den geröllreichen Salzkopf geht es auf
markiertem Weg zurück zur Stüdlhütte, die wir um 21.00 Uhr
ausgepowert, aber wohlbehalten erreichen.
TOURENPLANUNG STÜDLGRAT


... die schön
gelegene
Stüdlhütte in der Morgensonne
Nach einer weiteren Nacht auf der sehr zu
empfehlenden Stüdlhütte, steigen wir am Mittwoch zum
Parkplatz `Lucknerhaus` ab, um von dort nach Zell am See
zu fahren.

... Blick aus der Materialseilbahnumlenkstation auf die
Stüdlhütte
und den
Fanatkogl (2905 m)

... Abstieg zur Lucknerhütte

... Pause an der
Lucknerhütte - im Hintergrund der Großglockner
Im Krankenhaus erfahren wir, dass unser
Bergkamerad zwecks weiterer Untersuchungen nach Salzburg
verlegt wurde und erst am Donnerstag in das Krankenhaus Zell am
See zurückgebracht wird.
So übernachten wir eine Nacht in Zell am
See und besuchen Manfred nach seiner Rückkehr aus
Salzburg. Leider können wir Manfred nicht mit nach Hause
nehmen.
Der Rücktransport nach Hause wird über den
informierten Vorstand der Sektion Kassel in Absprache mit
den Angehörigen organisiert.
Eine aufregende und keinesfalls Nerven
schonende Torenwoche geht zu Ende.
Manfred wünschen wir eine vollständige
Genesung und noch viele schöne Bergerlebnisse.
Zum
Schluss noch zwei Impressionen vom Zeller See ...

Der berühmte
"Österreich-Brunnen" von Friedensreich Hundertwasser, der
direkt am Zeller See neben dem Grandhotel steht. Jede Säule
steht für eines der neun Bundesländer Österreichs
und enthält die Wappenfarben des jeweils symbolisierten
Bundeslandes. Die Säulenhöhe spiegelt die anteilmäßige
Bevölkerungszahl Österreichs wieder.

... nach einem letzten
Kaffee geht es wieder auf die Heimreise
TOURENPLANUNG


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